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26. Oktober: Ein klares Bekenntnis zu Österreichs immerwährender Neutralität

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Unsere Neutralität ist mehr als ein Gesetz – sie ist ein historisches Versprechen, ein Auftrag für die Zukunft und ein wesentlicher Teil unseres österreichischen Selbstverständnisses.


Am 26. Oktober feiern wir Österreich. Wir feiern unsere Freiheit, unsere Unabhängigkeit, unsere Souveränität und die Möglichkeit, unseren eigenen Weg zu gehen. Doch dieser Tag ist weit mehr als ein arbeitsfreier Feiertag, ein Fahnenmeer oder eine Leistungsschau des Bundesheeres. Er erinnert uns an eine historische Entscheidung, die unser Land bis heute prägt: die immerwährende Neutralität Österreichs.


Am 15. Mai 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Nach zehn Jahren Besatzungszeit erhielt unser Land damit die Grundlage für seine wiedererlangte staatliche Souveränität. Am 25. Oktober 1955 verließen die letzten alliierten Besatzungstruppen Österreich. Einen Tag später, am 26. Oktober 1955, beschloss der Nationalrat das Bundesverfassungsgesetz über die Neutralität Österreichs. Österreich verpflichtete sich darin, keinen militärischen Bündnissen beizutreten und keine ausländischen militärischen Stützpunkte auf seinem Staatsgebiet zuzulassen. Seit 1965 begehen wir den 26. Oktober offiziell als Nationalfeiertag.


Diese Daten sind keine bloßen Einträge in einem Geschichtsbuch. Sie erzählen die Geschichte eines Landes, das nach Krieg, Zerstörung und Besatzung seine Eigenständigkeit zurückgewonnen hat. Die Neutralität war Teil jenes politischen Weges, auf dem Österreich seine Freiheit festigte und seinen Platz in Europa fand.


Wer den Nationalfeiertag ernst nimmt, sollte deshalb auch die Bedeutung der Neutralität ernst nehmen.


Gerade in einer Zeit, in der internationale Konflikte, Kriege und geopolitische Spannungen die Welt erschüttern, ist es wichtig, sich auf die Grundsätze zu besinnen, die unser Land geprägt haben. Österreich muss nicht jede internationale Entwicklung mit militärischer Bündnislogik beantworten. Es kann seine Sicherheit verantwortungsvoll gestalten und gleichzeitig an seiner immerwährenden Neutralität festhalten.


Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Sie bedeutet nicht, zu Unrecht, Gewalt oder menschlichem Leid zu schweigen. Ein neutrales Österreich kann humanitäre Hilfe leisten, diplomatische Initiativen unterstützen, für Menschenrechte eintreten und sich mit Nachdruck für Frieden und die Einhaltung des Völkerrechts einsetzen. Neutralität ist kein Freibrief für Untätigkeit, sondern eine besondere Verpflichtung, die eigenen Möglichkeiten für Verständigung und friedliche Konfliktlösungen einzusetzen.


Österreich hat als neutraler Staat die Chance, Brücken zu bauen, Gespräche zu ermöglichen und dort für Dialog einzutreten, wo andere nur noch Konfrontation sehen. Diese Rolle ist nicht immer einfach. Sie verlangt diplomatisches Geschick, Glaubwürdigkeit, Verantwortungsbewusstsein und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Sicherheit. Gerade deshalb sollte die Neutralität nicht leichtfertig als überholtes Relikt abgetan werden.


Natürlich dürfen und müssen wir über unsere Sicherheit, die Landesverteidigung und die Herausforderungen einer veränderten Welt diskutieren. Ein souveräner Staat muss sich auf neue Gefahren einstellen können. Aber eine solche Diskussion darf nicht automatisch zur Schlussfolgerung führen, dass wir dafür unsere Neutralität aufgeben oder grundlegend verändern müssen. Österreich kann seine Verteidigungsfähigkeit stärken, seine Bevölkerung schützen und international kooperieren, ohne deshalb vorschnell sein historisch gewachsenes Selbstverständnis infrage zu stellen.


Wie stark die Neutralität in der Bevölkerung verankert ist, zeigt auch eine am 25. Oktober 2026 veröffentlichte Umfrage des STANDARD und des Market-Instituts: 73 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, an der Neutralität festzuhalten, während 23 Prozent eine Beteiligung an einem gemeinsamen militärischen Sicherheitssystem bevorzugten. Das ist ein deutliches Signal dafür, welchen Stellenwert die Neutralität für viele Menschen in unserem Land weiterhin besitzt.


Dieses Bekenntnis verdient Respekt. Es zeigt, dass die Neutralität für zahlreiche Österreicherinnen und Österreicher weit mehr ist als eine außenpolitische Formel. Sie steht für Eigenständigkeit, Friedensorientierung und den Wunsch, dass Österreich auch in Zukunft selbst über seinen sicherheitspolitischen Weg entscheidet.


Deshalb sollten wir alle gemeinsam darauf achten, dass die österreichische Neutralität nicht schleichend ausgehöhlt und nicht ohne überzeugende Gründe zur politischen Verhandlungsmasse gemacht wird.


Von unseren Politikerinnen und Politikern darf man erwarten, dass sie mit diesem historischen Erbe verantwortungsvoll umgehen. Wer eine Änderung der Neutralität ins Spiel bringt, muss nachvollziehbar erklären, welche konkreten Probleme damit gelöst werden sollen, welche Folgen eine solche Änderung hätte und warum andere Möglichkeiten nicht ausreichen. Eine so weitreichende Frage darf weder beiläufig noch allein unter dem Eindruck kurzfristiger internationaler Entwicklungen entschieden werden.


Die Neutralität ist rechtlich veränderbar. Gerade deshalb kommt es auf die politische Verantwortung und auf eine ernsthafte öffentliche Auseinandersetzung an. Eine große historische Errungenschaft bleibt nicht allein deshalb erhalten, weil sie seit Jahrzehnten besteht. Sie bleibt erhalten, wenn die Bevölkerung ihren Wert kennt und ihre gewählten Vertreterinnen und Vertreter mit diesem Wert bewusst umgehen.


Wir sollten daher am Nationalfeiertag nicht nur unsere Fahnen hissen, sondern uns auch fragen, welches Österreich wir kommenden Generationen hinterlassen wollen. Ein Österreich, das seine Traditionen kennt, seine Freiheit schätzt, seine Verteidigung ernst nimmt und sich in einer unruhigen Welt nicht vorschnell von seinen eigenen Grundsätzen verabschiedet? Oder ein Österreich, das eine tragende Säule seines Selbstverständnisses aufgibt, ohne zuvor alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, sie mit den Anforderungen der Gegenwart in Einklang zu bringen?


Für mich ist klar: Die immerwährende Neutralität verdient es, bewahrt, ernst genommen und mit Leben erfüllt zu werden. Sie sollte bei allen Überlegungen über Österreichs künftige Sicherheitspolitik ein zentraler Bezugspunkt bleiben. Nicht aus blinder Nostalgie, sondern aus Respekt vor unserer Geschichte und aus Verantwortung für unsere Zukunft.

Der 26. Oktober erinnert uns daran, dass die Freiheit Österreichs nicht selbstverständlich ist. Sie musste nach schwierigen Jahren wiedergewonnen und durch politische Entscheidungen abgesichert werden. Diese Geschichte verpflichtet uns, sorgfältig mit dem umzugehen, was Generationen vor uns aufgebaut haben.


Österreich braucht keinen Abschied von seiner Neutralität, um selbstbewusst in die Zukunft zu gehen. Österreich braucht eine verantwortungsvolle Sicherheitspolitik, eine glaubwürdige Landesverteidigung und den politischen Willen, seine Neutralität nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.


Machen wir den Nationalfeiertag deshalb zu mehr als einer Feier der Vergangenheit. Machen wir ihn zu einem gemeinsamen Bekenntnis zu einem souveränen, friedensorientierten und neutralen Österreich.


Für unsere Freiheit. Für unsere Eigenständigkeit. Für unsere Zukunft.


Ein klares Ja zur österreichischen Neutralität – heute, am 26. Oktober, und als ernsthafter Auftrag für die kommenden Generationen.



 
 
 

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