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Henning Dransfeld – zwischen Familie, Europa und der Verantwortung für morgen

Was wollen wir unseren Kindern hinterlassen?

Manche Fragen begleiten einen Menschen ein Leben lang. Für Henning Dransfeld gehört dazu eine besonders persönliche: In welcher Gesellschaft sollen seine vier Kinder einmal leben?


Aktueller könnte diese Frage kaum sein. Politische Spannungen nehmen zu, gesellschaftliche Debatten werden schärfer, und zugleich verändert sich das Verständnis davon, wie Menschen zusammenleben wollen. Klassische Familienbilder verlieren an Selbstverständlichkeit, neue Lebensentwürfe entstehen. Gleichzeitig stehen Familien – unabhängig von ihrer Form – unter zunehmendem beruflichem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Druck.


Für Henning Dransfeld geht es dabei nicht darum, ein bestimmtes Familienmodell gegen ein anderes zu verteidigen. Entscheidend ist vielmehr, was Familie leisten kann und was eine Gesellschaft von ihr lernen kann: Verbindlichkeit, Verantwortung und die Fähigkeit, mit Unterschiedlichkeit umzugehen.


Familie ist mehr als ein Lebensmodell

Als Vater, Lebensgefährte, Bruder und Sohn weiß Henning Dransfeld, dass Familie nicht bedeutet, dass alle gleich denken oder nach demselben Lebensmodell leben. Familien sind Orte, an denen unterschiedliche Charaktere, Wünsche und Vorstellungen aufeinandertreffen. Man übernimmt Verantwortung, findet Kompromisse, hält Konflikte aus und akzeptiert, dass der eigene Weg nicht zwangsläufig der des anderen sein muss.


Gerade darin sieht Henning Dransfeld eine wichtige gesellschaftliche Erfahrung: Unterschiede müssen bestehen können, ohne dass daraus Trennung werden muss.

Diese Überzeugung gehört auch zu den Motiven, die ihn gemeinsam mit Patrick Prömer und Robert Mikleusevic zur Gründung der Gesellschaft Zukunft Salzburg geführt haben.


Ein Leben zwischen verschiedenen Welten

Henning Dransfeld selbst ist mit unterschiedlichen kulturellen Prägungen aufgewachsen. 1968 auf Amrum als Sohn eines Oberbayern und einer Nordfriesin geboren, lebte er viele Jahre in Großbritannien und heute in Salzburg.


Europa ist für ihn deshalb keine abstrakte politische Idee. Er kennt Europa als Lebenswirklichkeit: unterschiedliche Sprachen, Mentalitäten und Traditionen, die nicht zwangsläufig trennen, sondern miteinander verbunden werden können.

Umso kritischer beobachtet er, dass Gegensätze wieder stärker werden und politische Auseinandersetzungen zunehmend von Abgrenzung geprägt sind.


Warum ein Roman über Europa vor dem Ersten Weltkrieg?

Es ist kein Zufall, dass Hennings literarische Reise in jene Zeit führt. Sein historischer Roman „Sommerblitz aus dem Süden“, Auftakt der Reihe „Sturm der Gezeiten“, spielt in den Jahren 1910 bis 1912.


Im Mittelpunkt stehen Hans, ein deutscher Seekadett, und Lucia, eine junge Italienerin, die sich kennenlernen und ineinander verlieben.


Ihre Geschichte entwickelt sich in einem Europa, das wirtschaftlich und kulturell immer enger zusammenwächst – während gleichzeitig Nationalismus und politische Spannungen zunehmen.


Gerade dieser Widerspruch fasziniert Henning: Die Menschen waren einander oft näher, als es die späteren Ereignisse vermuten lassen. Sie reisten, studierten, arbeiteten und liebten über Grenzen hinweg. Und doch gelang es Europa nicht, seine Konflikte dauerhaft friedlich zu lösen.


Geschichte wird persönlich

Henning Dransfeld interessiert dabei weniger die große politische Bühne als deren Auswirkungen auf das Leben einzelner Menschen.


Was geschieht, wenn politische Gegensätze plötzlich in eine Familie hineinreichen? Was wird aus Freundschaften, wenn die Nationalität wichtiger wird als die persönliche Beziehung? Und was geschieht mit jungen Menschen, die ihre Zukunft selbst gestalten wollen, während die Gesellschaft um sie herum zunehmend in Lager zerfällt?


Darin liegt für ihn eine wichtige Verbindung zur Gegenwart. Natürlich lässt sich das Jahr 1912 nicht einfach auf das Jahr 2026 übertragen. Geschichte kann jedoch zeigen, wie aus Spannungen Schritt für Schritt größere Konflikte entstehen können.


Und sie kann daran erinnern, dass Frieden nicht erst dann wichtig wird, wenn er bereits verloren ist.


Frieden beginnt im persönlichen Umgang

Für Henning Dransfeld ist Frieden deshalb nicht allein eine Frage der Außenpolitik. Er beginnt im Alltag: in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft und schließlich auch im gesellschaftlichen und politischen Diskurs.


Dazu gehört die Bereitschaft, Menschen nicht auf ihre Herkunft, ihre politische Haltung oder ihr Lebensmodell zu reduzieren.


Wer miteinander im Gespräch bleibt, hält sich die Möglichkeit offen, einander zu verstehen.

Eine freie Gesellschaft muss Unterschiede nicht beseitigen. Sie muss lernen, mit ihnen zu leben.


Gesellschaft Zukunft Salzburg: Raum für unterschiedliche Perspektiven

Seit Mai 2024 ist Henning Dransfeld gemeinsam mit Patrick Prömer und Robert Mikleusevic Mitbegründer der Gesellschaft Zukunft Salzburg.


Die Plattform möchte Menschen zusammenbringen, die sich mit Fragen beschäftigen, welche die gemeinsame Zukunft bestimmen: Bildung und Wissenschaft, gesellschaftliche Entwicklung, Verantwortung, Gesundheit und das Zusammenleben in einer sich verändernden Welt.


Dabei geht es nicht darum, eine einzige Sichtweise vorzugeben. Unterschiedliche Positionen sollen miteinander ins Gespräch kommen. Denn eine Gesellschaft, die nur noch innerhalb der eigenen Überzeugungen kommuniziert, verliert irgendwann die Fähigkeit zum Ausgleich.


Für Henning Dransfeld soll die Gesellschaft Zukunft Salzburg deshalb ein Ort sein, an dem Fragen wichtiger sein dürfen als einfache Antworten.


Schreiben als persönliche Verantwortung

Auch das Schreiben ist für Henning Dransfeld eine Möglichkeit, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen.


„Sommerblitz aus dem Süden“ ist weder ein politisches Lehrbuch noch eine historische Abhandlung. Es ist eine Geschichte über Menschen, die ihren eigenen Weg suchen, während sich die Welt um sie herum verändert.


Vielleicht liegt genau darin die Verbindung zwischen seinem Roman und seinem gesellschaftlichen Engagement:

Menschen sind mehr als die Kategorien, in die man sie einordnet.

Sie haben Familien, Beziehungen, Hoffnungen und Ängste. Und sie teilen oft mehr miteinander, als politische oder gesellschaftliche Grenzen vermuten lassen.


Die Zukunft gehört nicht den Lagern

Henning Dransfeld ist überzeugt, dass die kommenden Jahre schwieriger werden könnten. Umso wichtiger sei die Frage, was eine Gesellschaft zusammenhalten kann.


Nicht die Gleichheit der Meinungen. Nicht die Rückkehr zu einer vermeintlich einfacheren Vergangenheit. Sondern die Fähigkeit, Verschiedenheit auszuhalten und dennoch gemeinsame Ziele zu finden.


Als Vater, Europäer, Mitbegründer der Gesellschaft Zukunft Salzburg und Romanautor möchte Henning Dransfeld seinen Teil dazu beitragen.


Sein Roman erzählt von einer Generation, die am Vorabend einer europäischen Katastrophe steht, ohne zu wissen, was auf sie zukommt.


Wir wissen es heute.

Vielleicht liegt genau darin unsere Verantwortung: aus der Geschichte nicht nur zu lernen, was geschehen ist, sondern darüber nachzudenken, was wir anders machen können.


Denn am Ende bleibt eine sehr persönliche Frage:

Welche Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen?

Eine Welt, in der Grenzen und Gegensätze immer wichtiger werden?

Oder eine Welt, in der Menschen trotz aller Unterschiede miteinander reden, füreinander Verantwortung übernehmen und gemeinsam an ihrer Zukunft arbeiten?

Henning Dransfeld hat dafür kein Standardrezept.

Aber er möchte, dass wir die Frage gemeinsam immer wieder stellen dürfen.



 
 
 

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